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 <title>christof&#039;s blog</title>
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 <title>Die dunkle Seite von Twitter, Facebook &amp; Konsorten</title>
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 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-field-language field-type-taxonomy-term-reference field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;ul class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/5&quot; typeof=&quot;skos:Concept&quot; property=&quot;rdfs:label skos:prefLabel&quot; datatype=&quot;&quot;&gt;Deutsch&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-topic field-type-taxonomy-term-reference field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;ul class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/337&quot; typeof=&quot;skos:Concept&quot; property=&quot;rdfs:label skos:prefLabel&quot; datatype=&quot;&quot;&gt;economics&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/1124&quot; typeof=&quot;skos:Concept&quot; property=&quot;rdfs:label skos:prefLabel&quot; datatype=&quot;&quot;&gt;web&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot; property=&quot;content:encoded&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Warum das Umfeld von Social-Web-Applikationen eine Nutzung abseits von Spaß und Selbstinszenierung unterbindet.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit 20.000 Mitgliedern innerhalb einer Woche war die Gründung der Facebook-Gruppe Freiheit im MQ Anfang Juni – bescheiden ausgedrückt – ein Erfolg. Kein Wunder, ging es doch darum, die Gemütlichkeit und Offenheit des Wiener Museumsquartiers gegen die Wächter der MQ-Direktion zu verteidigen. Kein Konsum selbst mitgebrachter alkoholischer Getränke – wenn das kein Anlass ist auf die digitalen Barrikaden zu steigen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf der anderen Seite des Spektrums politischer Netznutzung steht etwa der Einsatz von Twitter durch die Oppositionsbewegung im Iran nach den umstrittenen Wahlen Anfang Juni 2009. Über die Plattform wurde trotz Mediensperre Information nach außen getragen und zum Hacken zentraler Web-Server des Mullah-Regimes geblasen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zwischen Narzissmus und Emanzipation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
In den angeführten Beispielen werden Web-2.0-Technologien klar politisch eingesetzt. Dennoch, sie bilden die seltene Ausnahme im Schatten von Selbstinszenierung und Marketingaktivitäten. Der Netztheoretiker Geert Lovink bringt es in einem Interview in der Wochenzeitung Die Zeit (9. Dezember 2007) auf den Punkt:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Das Entscheidende im Netz von heute sind nicht Nachrichten und Meinungen, sondern Selbstdarstellung und Selbstreflexion: Wer bin ich? Was mache ich? Wer befindet sich in meiner Gegend? [...] Nachdem man gesurft ist und geshoppt hat, stellt sich die Frage: Was ist eigentlich mit mir? Lebe ich oder werde ich bloß gelebt? (Lovink, ebd.)&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Aber verbirgt sich hinter unserem lockeren Online-Zwitschern, der Jagd nach digitalen Freunden und der detailverliebten Selbstpräsentation nicht doch mehr? Haben wir mit Einzug von Web 2.0 die jahrzehntelange Dominanz von Rundfunk und Massenmedien überwunden? Hans Magnus Enzensberger definierte 1970 in seinem Baukasten zu einer Theorie der Medien Aspekte eines emanzipatorischen Mediengebrauchs im Gegensatz zum repressiven Rundfunk-Ansatz. Eine Reihe an Merkmalen emanzipatorischer Mediennutzung – wie die Auflösung der Sender/Empfänger-Rollen, Interaktionspotenziale und kollektive Produktion – finden sich im Social Web wieder. Doch zwei zentrale Kriterien sind bis heute nicht erreicht: Die Kontrolle über Inhalte und Strukturen liegt nach wie vor zentral beim Medien-Eigentümer und die Tendenz im Hinblick auf politische/demokratische Teilnahme geht mit Fokus auf Spaß und Selbstinszenierung stark in Richtung Entpolitisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und die beiden Beispiele? Die anarchisch-dezentrale Struktur des Netzes wurde von BürgerInnen seit dessen Anfängen mit den jeweiligen Mitteln der Zeit – von Usenet über Mailing-Lists, Foren, Online-Petitionen bis eben hin zu Social Software – für politische Zwecke eingesetzt. Selbst wenn sich Facebook und Twitter für politisch motivierte Netznutzung prinzipiell eignen, sie bergen im Unterschied zu anderen Kommunikationsmittel im Netz erhebliche Falltüren. Diese dürfen in der Euphorie des Hypes nicht ausgeblendet werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Loser-Generated Content und fehlende Business-Cases&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
So offensichtlich das auch sein mag: Betreiber von Web-2.0-Diensten verfolgen wie jedes privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen das primäre Ziel der Profitmaximierung. Die Konsequenzen daraus werden jedoch gerne ignoriert. Kostenlos sind diese Dienste für User nur auf den ersten Blick, denn das eigentliche Kapital liegt in den von AnwenderInnen täglich gratis und in Massen produzierten Inhalten sowie in deren Aufmerksamkeit und Profilen selbst. Die Architektur der Partizipation wird somit zur Architektur der Ausbeutung, was der dänische Kultur- und Kommunikationswissenschafter Søren Mørk Petersen (2008, online) mit dem Konzept des Loser generated Content pointiert beschreibt.&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Relations are the key here. We need to acknowledge that relations of subjectivity, everyday life, technology, media and publics also are related to dimensions of capitalism. This relation reconfigures patterns of use into practices which carries a resemblance of work relations, transforming users into losers. (Petersen, ebd.)&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Web-2.0-Applikationen werden samt deren Gefolgschaft – trotz offensichtlich fehlendem Businessmodell – zu unfassbaren Beträgen gehandelt. Der Reiz liegt in der Masse selbst, auch wenn noch nicht recht klar ist, was man mit ihr eigentlich anfangen soll. Lovink (2008) betont in seinem Buch Zero Comments das Heranwachsen der nächsten Blase, die nach der gescheiterten Dot.Com-Ära unmittelbar vorm Platzen steht. Geändert habe sich im Vergleich zu 1999 lediglich die Erkenntnis, dass User nicht wegen eCommerce ins Netz strömen, sondern um Unterhaltung zu suchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es liegt auf der Hand, dass Investoren für ein nachhaltiges Verwertungssystem auf eine kreative Nutzung der gewonnenen Userdaten – ihr einzig real vorhandenes Kapital – zurückgreifen. Erste Versuche in diese Richtung unternahm Facebook im Februar 2009: Durch eine Adaption der AGBs entzogen die Betreiber ihren Usern ohne Vorwarnung die Verfügungsgewalt über eigene Profile. Damit hätte sich das Unternehmen das Recht eingeräumt, auch alle Daten aus gelöschten Benutzerprofilen weiter verwenden zu können, was letztlich durch heftigen Protest abgewendet werden konnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Übertragung massenmedialer Strukturen ins Netz&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Erst mit der Verbreitung von Social Software – so der regelmäßig propagierte Irrtum – sei die tatsächliche Demokratisierung des Netzes eingeläutet worden. Zwar ist der Anteil jener, die das Netz aktiv nutzen, deutlich gestiegen, doch die Rahmenbedingungen dieser Nutzung stehen einer Demokratisierung vor dem Hintergrund zunehmender Monopolisierung und Medienkonzentration diametral gegenüber.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;MySpace – als eine der ersten Plattformen, der der Durchbruch gelang – ist mittlerweile im Besitz des Medien-Moguls Rupert Murdoch. Google dominiert mit seinen Services bereits einen Großteil der Netzaktivitäten und erweitert durch Einkäufe seinen Einflussbereich ungemein: Youtube, Orkut und Blogger sind die zugekauften Flaggschiffe der Google-Armada. In Kombination mit angestrebter Providertätigkeit und dem Google-Phone erreicht der Konzern eine nahezu lückenlose Abdeckung aller Aspekte der Netzkommunikation mit dem Google-Account als zentralen Dreh- und Angelpunkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch Yahoo sitzt mit eigenen Services und satten Zukäufen wie der Foto-Community-Site Flickr oder dem Social-Bookmarking-Dienst delicious fest im Sattel. In regelmäßigen Abständen geraten Übernahmegerüchte und Gespräche zwischen Google und Microsoft an die Öffentlichkeit. Facebook und Twitter sind momentan noch nicht im vollständigen Besitz eines Big Players. Microsoft und der russische Medienkonzern Sky Technologies haben aber bereits zu geringeren Teilen in Facebook investiert. Facebook selbst wiederum schielte mit 500 Millionen Euro in Richtung Twitter. Ein Angebot, das das Unternehmen aber ablehnte. Gerüchte über eine Übernahme von Twitter durch Google bzw. durch Apple tauchten in den letzen Monaten auf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die dezentrale, nicht kontrollierbare und anarchische Natur des Netzes wird zunehmend zum Spielplatz weniger Player, die einen dominanten Anteil des Traffics für sich verbuchen können und so an den Schalthebeln künftiger Netzpolitik und Technologieentwicklung sitzen. Medienkonzentration und Monopolisierung wurden längst von der klassischen Medienökonomie ins Netz übertragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kannibalisierung durch Ausverkauf der NutzerInnen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Die Kombination von folgenden, bereits angesprochenen Punkten, gestaltet die Umgebung von Web-2.0-Applikationen im Hinblick auf Datenschutz äußerst prekär:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt; Generierung einer Unmenge an Daten durch teils sehr private, von Usern freiwillig bereitgestellte Inhalte und aufgezeichnete Verhaltensmuster&lt;/li&gt;
&lt;li&gt; verstärkte Aggregation von Traffic und gesammelten Daten in den Händen von immer weniger Playern als Resultat von Konzentration und Monopolisierung&lt;/li&gt;
&lt;li&gt; durch Fehlen eines erfolgsversprechenden Businessmodells geraten die Konzerne zunehmend unter Zugzwang&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Verwertungsmöglichkeiten liegen im Verkauf von Nutzungsdaten sowie in maßgeschneiderter Werbung mit geringem Streuverlust. Verschärft wird die Situation durch den Verlust der eigenen Datenhoheit. Es ist ebenso unmöglich, das unwiderrufliche Löschen von BenutzerInnenprofilen und Infos zu garantieren, wie die Weiterverwertung der eigenen Contents durch Dritte zu verhindern. Immer häufiger geraten Plattformen wie Facebook oder studiVZ wegen genau dieser Aktivitäten ins Kreuzfeuer der Kritik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Michael Zimmer (2007, online) spricht in diesem Zusammenhang von Externalitäten des Social Webs. Neben dem vermehrten Fluss persönlicher Information in und zwischen Netzwerken und dem Anstieg an Data-Mining-Aktivitäten zur strukturierten Sammlung und Aufbereitung persönlicher Informationen fällt auch die Nutzung der gesammelten Daten zur Vorhersage von Bedürfnissen und Wünschen der User für Marketingzwecke darunter. Er diagnostiziert daher den Panoptischen Blick, der sich – hervorgerufen durch eine Infrastruktur der Datenüberwachung – permanent auf Web-2.0-User richtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Umgang mit dieser Herausforderung wird sich der Erfolg oder Misserfolg des Hypes in naher Zukunft zeigen, denn letztlich bleibt zu hoffen, dass mündige User – wie im Fall der abgeänderten Facebook AGBs – Datenmissbrauch und Ausbeutung abstrafen und sich nicht durch Selbstzensur hinter Büschen verstecken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Fazit: Fortschritt oder Scheindemokratisierung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Haben wir mit Einzug von Web-2.0-Plattformen die Dominanz von zentralisierten Mediensystemen, einseitiger One-to-Many-Kommunikation und isolierter Produktion überwunden, oder gehen wir vielmehr einen Schritt zurück? Mit Monopolisierung und zunehmender Konzentration von Social-Web-Plattformen werden gegenwärtig massenmediale Strukturen ins Netz transferiert. Die Kontrolle über Inhalte und Kommunikationsmittel liegt – wie bei klassischen Medien – nach wie vor zentral beim Medien-Konzern, der auch autonom über die von Usern generierten Inhalte und deren Nutzungsdaten verfügt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Web-2.0-Hype befriedigt, unterstützt durch Marketinginteressen, vielmehr unseren Drang nach Unterhaltung, Selbstdarstellung und Selbstreflexion und ist nur sekundär für politisch motivierte Aktivitäten – wie im Fall der Facebook-Gruppe Freiheit im MQ oder dem Twitter-Einsatz durch die Oppositionsbewegung im Iran – relevant. Vielmehr greifen NetzaktivistInnen – wie auch in der Vergangenheit – auf aktuelle Mittel der Netzkommunikation zurück und verwenden diese für ihre Zwecke.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Technologien per se sind weder politisch noch narzisstisch. Es sind die Rahmenbedingungen der Mediennutzung, die unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten fördern oder hindern und gegenwärtig zu einer Scheindemokratisierung im Netz führen. Umso entscheidender ist es, sich diese Rahmenbedingungen zu vergegenwärtigen, während man sich im Kommunikationsraum zwischen Facebook, Twitter, MySpace und Flickr bewegt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Literatur&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Enzensberger, Hans Magnus (1970): Baukasten zu einer Theorie der Medien. In: Pias, Claus et al. (HG 2008). Kursbuch Medienkultur. 6. Auflage, DVA, München.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lovink, Geert (2008): Zero Comments. Elemente einer kritischen Internetkultur. Transcript. Bielefeld.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Petersen, Søren Mørk (2008): Loser Generated Content. From Participation to Exploitation. In: First Monday, Vol. 13/3. URL: &lt;a href=&quot;http://firstmonday.org/htbin/cgiwrap/bin/ojs/index.php/fm/article/view/2141/1948&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;http://firstmonday.org/htbin/cgiwrap/bin/ojs/index.php/fm/article/view/2141/1948&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zimmer, Michael (2007): The panoptic gaze of web 2.0. How web 2.0 platforms act as infrastructure or dataveillence. URL: &lt;a href=&quot;http://michaelzimmer.org/files/Zimmer%20Aalborg%20talk.pdf&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;http://michaelzimmer.org/files/Zimmer%20Aalborg%20talk.pdf&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erschienen in kulturrisse. Zeitschrift für radikaldemokratische Kulturpolitik. Heft 2, Juli 2009&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Mon, 17 Aug 2009 10:33:48 +0000</pubDate>
 <dc:creator>christof</dc:creator>
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 <title>Freie Netze zwischen Anarchie und Hierarchie - Über die politische Bedeutung drahtloser Community-Netze</title>
 <link>http://78.47.123.87/node/520</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-field-language field-type-taxonomy-term-reference field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;ul class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/5&quot; typeof=&quot;skos:Concept&quot; property=&quot;rdfs:label skos:prefLabel&quot; datatype=&quot;&quot;&gt;Deutsch&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot; property=&quot;content:encoded&quot;&gt;&lt;p&gt;Dieser Artikel bezieht sich auf meine Magisterarbeit &quot;Vision und Realität Freier Netze - Selbstorganisation in der Netzkultur&quot;, die am Ende des Artikels als PDF-File angehängt ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;---------&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Praxis Freier Community Netze ist neben der technologischen Umsetzung vor allem durch deren alltägliche soziale Organisation und Struktur geprägt, die je nach Netz irgendwo zwischen Hierarchie und Anarchie pendelt. Inwiefern die gesetzten Ziele in Free-Network Projekten dabei tatsächlich erreicht werden können, hängt vor allem vom Zusammenspiel von technologischer und sozialer Vernetzung ab.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Flexible Regulierungen im Bereich der Funkfrequenzen haben eine starke Verbreitung der Wireless-LAN-Technologie bewirkt und mit fallenden Hardwarepreisen sind die Möglichkeiten einer einfachen und kostengünstigen Vernetzung auch über die Grenzen von einzelnen Gebäuden hinweg gestiegen. Diese Potenziale werden seit einigen Jahren von Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft aufgegriffen: Während kommerzielle Internet-Service-Provider WLAN für spezifische lokalbezogene und mobile Services verwenden, wird die Technologie auf kommunalpolitischer Ebene für die deckende Internet-Versorgung von Städten (Beispiel San Francisco) eingesetzt, wodurch sich standortpolitische Vorteile ergeben. Freie Community-Netze hingegen werden weder von parteipolitischen noch von wirtschaftlichen Interessen gesteuert und stellen eine zivilgesellschaftliche Nutzung von Wireless LAN durch BürgerInnen dar, die damit auf selbstorganisierter und freiwilliger Basis Freie Netze über Stadtteile und Regionen hinweg aufbauen und betreiben. Die Freiheit, auf die sich drahtlose Community-Netzwerke beziehen, ist die persönliche Kommunikationsfreiheit der User und AktivistInnen im jeweiligen Netz und wie bei Freier Software nicht mit &#039;gratis&#039; gleichzusetzen. Die gesellschaftspolitische Komponente spielt dabei eine zentrale Rolle, wie Julian Priest, Mitbegründer der Londoner Pionier-Community consume.net, betont.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„If you can own your own radio network you have control over how you operate it and how you connect. We recognised that network connections, how we make them and the terms under which we make them, are political acts as much as anything else.“&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Freie Netze sind kein rein technologisches Phänomen, sondern vielmehr sozial getriebene Projekte, die sich Technologie zu Nutze machen und sie für ihre Zwecke adaptieren. Formen der Organisation, Finanzierung und Umsetzung Freier Netze sind in einem sehr hohen Maß von den gesteckten Zielen sowie dem Kontext, in den sie eingebunden sind, abhängig. Sie variieren zwischen sehr hierarchisch organisierten und stark individualistischen Ansätzen, verfügen aber dennoch über ein gemeinsames Set an Idealen und organisatorischen Prinzipien. Die Bandbreite an unterschiedlichen Herangehensweisen wird anhand der beiden erfolgreichen Fallbeispiele Djurslands.net (Dänemark) und OLSR-Experiment(Freifunk Netz Berlin) besonders deutlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ein Ziel, zwei Wege&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Djursland ist eine infrastrukturell schwache Region in Dänemark, in der sich Telcos weigern, Breitband-Internet anzubieten. 2002 hat eine Gruppe von NetzaktivistInnen rund um Bjarke Nielsen begonnen, das Problem selbst in die Hand zu nehmen und auf Basis freiwilligen Engagements Teil für Teil der Region mit WLAN zu vernetzen. Djurslands.net ist heute als Verein mit klaren formalen Strukturen organisiert. Das technologische Netzwerk basiert auf einer hierarchisch aufgebauten Netzinfrastruktur im Hub-and-Spoke-Stil. Finanzierung, Organisation und technologischen Umsetzung bedingen sich dabei gegenseitig, da ein derartig aufgezogenes Netzprojekt klar definierte Verantwortung und Kompetenz benötigt. Die geringen Anschlussgebühren für User sind kostendeckend kalkuliert und liegen deutlich unter den Preisen kommerzieller Internetprovider. Bjarke Nielson, Gründer von Djurslands.net, erklärt die Situation zu Beginn des Netzprojektes:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„We were not meant for having this DSL-technology. So we would sit back with modems and would be left behind with very slow connections while the cities would have this high-speed connections. For this reason all kind of development will not come to the rural areas. Being social about it, we figured out how to make connections which is as high-speed as the DSL in the cities.“&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das vorweg definierte Ziel, die Region Djursland vor einem Zurückfallen in der Informationsgesellschaft zu bewahren, konnte mit dieser Form der organisierten Planung und Umsetzung rasch in Angriff genommen werden. Bis Ende 2006 waren mehr als 4000 Haushalte der Region mit symmetrischer Breitbandanbindung versorgt und ein riesiger lokaler freier Kommunikationsraum geschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Einen gänzlich anderen Weg schlagen dieFreifunk-AktivistInnen mit demOLSR-Experiment in Berlin ein. Das Projekt ist ein loser Zusammenschluss von NetzaktivistInnen ohne formalisierte Strukturen, was sich technologisch mit dem Einsatz des Mesh-Networking widerspiegelt. Mesh-Netzwerke verfügen nicht über die klassische hierarchische Netzwerktopologie, sondern sind flache, vermaschte ad-hoc Netzwerke. An einigen Punkten besteht Anschluss zum Internet, der geteilt und für das gesamte Netz zur Verfügung gestellt wird. Einen guten Teil der Organisation von Mesh-Netzwerken übernimmt das mesh-routing Protokoll selbst (beispielsweise OLSR oder B.A.T.M.A.N.), womit eine zentrale Administration, wie sie in Djursland nötig ist, hinfällig wird. Auch die Einhebung und Verteilung von Gebühren und Geldern ist in Berlin kein Thema, da es sich beim OLSR-Experiment um eine no-budget-Organisation handelt. Grundlegende Entscheidungen werden nach dem &lt;em&gt;„Prinzip des Ideen-Darwinismus“ &lt;/em&gt;(Jürgen Neumann, Freifunk) gefällt. Diese lose und unbürokratische Struktur ermöglicht es schließlich, dass eine Breite unterschiedlicher User (von IT-Profis über Kulturschaffende bis hin zu Leuten, die einfach nur gratis ins Netz wollen) gemeinsam unter einem Label zusammenarbeiten und dabei sowohl die eigenen Interessen verfolgen als auch das Netz an sich stärken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Unabhängig? Nicht ganz.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotz dieser unterschiedlichen Herangehensweisen werden bei Djurslands.net und dem OLSR-Experiment die gleichen grundlegenden Ziele verfolgt: auf kooperativer Basis nachhaltig Netzinfrastrukturen aufzubauen und zu betreiben, die dem Ideal einer zivilgesellschaftlichen Bottom-up-Selbstorganisation entsprechen und von staatlichen sowie marktwirtschaftlichen Mechanismen weitgehend unabhängig sind. Eine völlige Unabhängigkeit ist dabei allerdings nicht möglich. Spätestens am Punkt der Anbindung ans Internet muss auf einen externen ISP zurückgegriffen werden, die benötigte Hardware wird fast ausschließlich von kommerziellen Unternehmen entwickelt und die Politik hat nicht zuletzt durch die Schaffung von Rahmenbedingungen – wie Frequenzregulierung oder Haftungsfragen bei offenen WLANs – direkt Einfluss auf Freie Netze. Es stellt sich also vordergründig nicht die Frage, ob es Abhängigkeiten zu Staat und Wirtschaft gibt, sondern wie dieses Verhältnis gestaltet wird. Ist es möglich, Sponsorgelder von Unternehmen oder staatliche Subventionen zu beziehen und dennoch ein Maximum an Unabhängigkeit zu wahren? Während vor allem die Anfangsphase des dänischen Djurslands.net nicht unerheblich durch EU-Fördergelder finanziert wurde, war in diesem Bereich die Kooperation von Freifunk mit einem Hardwarehersteller bei der Entwicklung des Mesh-Cube von Bedeutung. Das Unternehmen stellte die Hardware bereit, während die Community die Entwicklungsarbeit leistete, was für beide Seiten Vorteile brachte. Da das Produkt dennoch zu teuer blieb, scheiterte die Markteinführung und somit auch die Kooperation mit Freifunk.&lt;em&gt; „Es hat sich eine Synergie ergeben zwischen den Firmen und uns, aber das hat zu keiner Abhängigkeit geführt. Das Netz hätte sich wahrscheinlich langsamer entwickelt, wenn wir dieses Sponsoring nicht bekommen hätten und wir wären nicht in kurzer Zeit so weit gekommen.“ &lt;/em&gt;erklärt die Berliner Netzaktivistin Elektra.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In beiden Fällen war die Unabhängigkeit des Netzes weitgehend gesichert: Die Verbindlichkeiten von Djurslands.net gegenüber der EU endeten mit der Abrechnung der Subventionen und die Mesh-Cubes von Freifunk.net können jederzeit durch billigere Hardware ersetzt werden. Durch die Größe der Community befinden sich Freie Netze zudem in einer gestärkten Verhandlungsposition etwa gegenüber ISPs oder Hardwareunternehmen, was für klar abgegrenzte Agreements von großem Vorteil sein kann. Nichtsdestotrotz ist ein Mindestmaß an Vorsicht angebracht wie Armin Medosch, Autor des Buches Freie Netze – Free Networks betont:&lt;br /&gt;&lt;em&gt;„Ich glaube nicht, dass Business intrinsisch böse ist, aber man lässt sich auf etwas ein, das sich plötzlich als Sackgasse herausstellt und dann muss man sehen, wie man möglichst schlau agiert. Das ist ein sehr sehr schwieriges Terrain und es gibt dort die verschiedensten Fallgruben.“&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Mit Blick nach vorne&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den wenigen Jahren, in denen die Free-Networks-Bewegung nun aktiv ist, ist die technologische Entwicklung extrem schnell voran geschritten, was zu deutlich mehr Stabilität und geringeren Zutrittsbarrieren für technisch weniger versierte User geführt hat. Damit besteht nun das Potenzial für eine Erweiterung um einige neue, nicht-technische Aspekte, was sich einerseits bereits jetzt durch großes Engagement der Community im Bereich der Entwicklungshilfe abzeichnet und andererseits durch spezifische lokale Anwendungen und Inhalte (Local Content), die innerhalb der Netze angeboten werden, noch gestärkt werden kann. Beispiele für eine derartige Nutzung der freien Kommunikations-Infrastruktur sind etwa Medien mit spezifisch lokaler Ausrichtung wie Netzradios, Netzines oder auch HIVE-Networks, an denen aktuell vor allem in den Londoner Communities gearbeitet wird.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;section class=&quot;field field-name-field-file-attachment field-type-file field-label-above view-mode-rss&quot;&gt;&lt;h2 class=&quot;field-label&quot;&gt;File Attachment:&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;table class=&quot;sticky-enabled&quot;&gt;
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 <pubDate>Fri, 14 Mar 2008 18:21:24 +0000</pubDate>
 <dc:creator>christof</dc:creator>
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