GENDER TECHNOLOGIEN * JUGGLING SEX

ein Symposium der FAKULTAET
16. - 17. März 2001

transpublic
Hahnengasse 3, 4020 Linz (Alter Markt)


KONZEPT für die Vorlesungsreihe "Gender Technologien" (10.9.1999)

Gender/Technologien
Gerade weil "weiblich" nicht länger als ein feststehender Begriff erscheint, ist seine Bedeutung ebenso verworren und unfixiert wie die von "Frau"/"Mann". Ihre Bedeutung erhalten diese Begriffe nicht aus sich heraus, sondern immer in Relation zu etwas anderem. Der gängige Diskurs über Technologien hat auch die Funktion diese Relation mitzudefinieren bzw. herzustellen.
Vor diesem Hintergrund wird es sinnvoll landläufige Bedeutungen von Technologien zu hinterfragen und eine mögliche Neudeutung für eine Redefinition der Gender-Kategorien zu nutzen.
Ausgehend von einigen grundlegenden Fragestellungen der aktuellen Gender- bzw. Frauenforschung sowie ausgewählter Theorien zum Thema *neue Technologien* werden Reflexionsfelder eröffnet. Auf dieser Basis kann dann mit vorhandenen Strukturen experimentiert werden, können neue Strategien erfunden und umgesetzt werden.

Geschlechts-spezifische Themen im Internet
Netzkünstlerinnen arbeiten verstärkt zu Themen wie Körperlichkeit, Materialität, Repräsentation, Subjektivität. Wozu und zu welchem Ende? Ist das nur die Brille, mit der wir Texte und Kunstwerke von Frauen analysieren und wahrnehmen?

Ein Raum für uns allein
Abgrenzungs-Strategien: die Tendenz, geschlossene oder auch geschützte Räume für bestimmte, an gemeinsamen Interessen orientierte Gruppen zu schaffen. Im Netz - Frauen-Mailing-Listen, Web-Spaces for Women only ... Ein Trend hin zu "temporären autonomen Zonen" ist zu beobachten. Wie wird auf einer optisch/formalen Ebene diese Distanz kreiiert, wie wird im Netz *Differenz* wahrgenommen.

Konstruktion von Geschlechtsidentität
MOOs und MUDs als Orte des Gender Switchings, der *multiplen* Persönlichkeiten. Welche Relevanz haben diese Rollen-Inszenierungen im virtuellen Raum, in welcher Relation stehen sie zu traditionellen Rollen-Verteilungen im realen Leben. Welche theoretischen Positionen erklären den Wunsch nach dem jeweils "Anderen".

Cyberfeminismus und Old Boys Networks
Ausgehend von der 1st Cyberfeminist Internationale der DokumentaX in Kassel und ihrer Fortsetzung im Jahr 1999 in Amsterdam hat sich ein Netzwerk von aktiven Frauen im Netz gebildet. Diese Positionen sollen diskutiert und als Lebensweltmodelle zum elektronischen Netz diskutiert und mit dem sogenannten Real Life der Teleworkerin am elektronischen Webstuhl verglichen werden. Ich lebe von e-mail!


Die "FAKULTAET" nahm diesen Text als Ausgangspunkt, um sich dem Thema "Gender Technologien" zu nähern. In etlichen Gesprächen, in unterschiedlichen Besetzungen dachten wir an Schreibmaschinen und Computer, Spiralen und Kondome, Büstenhalter und Korsetts, redeten über Medizin und Körperchirurgie, Sex Toys und Jungfrauenmaschinen. Gleichzeitig wurde uns klar, dass uns nicht nur die Technologien als solche interessierten sondern auch all jene Techniken, mit denen Mann- oder Frausein in Szene gesetzt werden. So kamen kulturelle Praktiken ins Spiel und wir vollzogen den "performative turn" mit. Der folgende Text ist daher der aktuelle Stand der Diskussion:

Juggling Sex, Gender and Sexual Technologies (1.2.2001)
Unter Geschlecht bzw. Geschlechtertechnologie versteht Teresa de Lauretis das Produkt verschiedener sozialen Technologien, institutioneller Diskurse, Epistemologien, kritischen wie auch alltäglichen Praktiken - nicht jedoch essentielle Eigenschaften biologischer Körper. Dieses Symposium bedient sich dieses Begriffes von Gender Technology und diskutiert verschiedene Techniken, wie Geschlecht konstruiert und auch dekonstruiert wird.
Bekanntlich sind dichotome Begrifflichkeiten wie Mann - Frau, schwul/lesbisch in den letzten Jahren zunehmend ins Schwanken geraten. Was macht den Mann zum Mann - die Frau zur Frau? Welcher Techniken, im Sinne von kulturellen Praktiken, bedienen sich Personen zur erfolgreichen Konstruktion ihres Geschlechtes? Welche Konsequenzen hat der technologischer Fortschritt auf Geschlechtertheorie, wenn der aktuelle Diskurs chirurgische Eingriffe in den Geschlechterkörper als eine Form der Schönheitschirurgie versteht, und Künstlerinnen wie Orlan die Technologie der plastische Chirurgie als persönliches künstlerisches Ausdrucksmittel adaptieren?
Die Kategorienkrise dekonstruiert aber auch die herkömmliche Unterscheidung zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit und dringt bis in unsere Schlafzimmer vor, um unsere unterschiedlichen Sexualitäten zu zelebrieren und von Normzuschreibungen zu lösen. Sexuelle Identitäten werden zunehmend als instabil wahrgenommen, Menschen durchwandern heterosexuelle Phasen gefolgt von schwul/lesbischen, definieren ihre Geschlechtidentitäten neu, wechseln ihre Sexualpraktiken (vanilla, S/M) oder praktizieren gleichzeitig sämtliche oder auch gar keine Sexualitäten. Selbst die Technologie macht vor unserer Sexualität nicht halt, neueste Vibratorenformen, neueste Silikonprodukte kommen auf den Markt, fordern uns zum Spiel auf. Gleichzeitig wird sexuelle Praktik, die Performance des Orgasmus, mit einem Spiel zwischen Aktivität und Passivität aber auch zur Inszenierung der Geschlechteridentität eingesetzt.

Dieses Symposium verknüpft spielerisch die aktuelle Diskussionen um Geschlecht, Sexualität, Technik und performative Praxis und ermuntert zur Dekonstruktion althergebrachter Geschlechternormen.


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